Nach Samuel Essende, der auf den Spitznamen „Wolf“ hört, hat der FC Augsburg nun ein waschechtes Exemplar an Land gezogen. Was können FCA-Fans von Neuzugang Marius Wolf erwarten?
Geboren und aufgewachsen im oberfränkischen Landkreis Coburg, rund drei Autostunden von Augsburg entfernt, begann Wolf seine Karriere in der Nähe seines Heimatortes. Im Alter von zwölf Jahren folgte schließlich der Schritt ins NLZ des 1. FC Nürnberg, in dem der Rechtsfuß den Grundstein für spätere Profiaufgaben bei 1860 München, Hannover 96, Eintracht Frankfurt, Hertha BSC, dem 1. FC Köln und Borussia Dortmund legen sollte.
Seit 2023 auch deutscher Nationalspieler
Für die Schwarz-Gelben absolvierte Wolf dabei die meisten Spiele seiner Karriere – 121 an der Zahl. Neben dem Supercup-Gewinn 2020 sowie dem DFB-Pokal-Sieg 2021 sammelte der heute 29-Jährige dabei nicht nur wichtige Erfahrung in 19 Champions-League-Partien, sondern empfahl sich 2023 auch für die deutsche Nationalmannschaft, in der er zwischen März und Juni insgesamt fünfmal zum Einsatz kam.
Der 1,88 Meter große Neuzugang soll beim FCA die große Baustelle auf der Rechtsverteidigerposition lösen und dort seine Qualitäten zum Vorschein bringen. Diese wiederum liegen, wie ein Blick auf die Statistiken belegt, definitiv im Offensivbereich.
Viel Zug nach vorne – und defensiv?
In seiner Dortmunder Zeit – die selbstverständlich von offensiv ausgerichtetem Fußball geprägt war, ging Wolfs Blick häufig in Richtung des gegnerischen Tors, das er mit progressiven Pässen – also Zuspielen nach vorne – immer wieder ansteuerte.
Defensiv, so lassen es zumindest die Statistiken vermuten, gibt es indes auch beim fünfmaligen Nationalspieler noch Luft nach oben. Auch hierbei muss jedoch selbstverständlich die Spielweise des BVB berücksichtigt werden, die sich zuletzt (leider) grundlegend von der des FCA unterschied.
An Erfahrung in einer Viererkette, auf die Jess Thorup wohl auch in der neuen Saison setzen wird, mangelt es dem Coburger jedenfalls nicht – mit dieser defensiven Grundordnung ist Wolf aus Dortmunder Zeiten bestens vertraut.
Spannend wird sein, welchen Plan Thorup für seinen dringend benötigten Neuzugang bereithält. Dass Wolf offensive Freiheiten eingeräumt werden müssen, steht aufgrund seiner Spielweise und seines „Offensivdrangs“, den Sportdirektor Marinko Jurendic hervorhebt, außer Frage.
Wie plant Thorup mit Wolf?
Eine Möglichkeit wäre es, Sechser Kristijan Jakic – oder den rechten Achter – im Offensivspiel in die Viererkette zurückzuziehen, um Wolf den nötigen Freiraum auf der rechten Schiene ermöglichen zu können. Auch das Modell der asymmetrischen Außenverteidiger, bei dem sich – im Falle eines Angriffs über rechts – der Linksverteidiger als dritter Mann neben die Innenverteidiger fallen lassen würde, könnte zum Einsatz kommen. „Mit seiner Verpflichtung können wir sowohl in der Defensiv- wie auch in der Offensivbewegung auf den Außenbahnen variabler agieren“, ist sich Jurendic schon jetzt sicher.
All dies sind reine Gedankenspiele, die auch der Cheftrainer mit Sicherheit bereits im Hinterkopf hat. Geht Thorups Plan letztendlich auf, dürften sich die FCA-Fans bald über einen echten (ablösefreien) Glücksgriff freuen. Und gegen Vorlagen von Marius Wolf auf Samuel „Wolf“ Essende hätte sowieso niemand etwas einzuwenden.

