Schluss. Aus. Vorbei! Um 20 Uhr deutscher Zeit hat das Sommer-Transferfenster am Montagabend geschlossen. Mit Ausnahme von vereinslosen Spielern können die Bundesligisten damit keine externen Neuzugänge mehr unter Vertrag nehmen, einzig Abgänge in vereinzelte Ligen sind noch möglich.
Auch der FC Augsburg hat über den Sommer hinweg wieder einige Veränderungen vorgenommen, agierte dabei aber stets nach einem bestimmten Motto: Qualität statt Quantität.
Ein Leitspruch, den die FCA-Verantwortlichen allerdings nicht ausschließlich bei der Auswahl potenzieller Neuzugänge berücksichtigten. Vielmehr fokussierten sich die Fuggerstädter darauf, die bereits vorhandene Qualität gar nicht erst abhanden kommen zu lassen. Das Resultat: Mit Leihgabe Frank Onyeka (34 Einsätze), Henri Koudossou (23 Einsätze), Fredrik Jensen (21 Einsätze) und Robert Gumny (7 Einsätze) verließen lediglich vier Spieler den Verein, die in der Vorsaison überhaupt zum Einsatz gekommen waren.
Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass Stammspieler wie Finn Dahmen, Chrislain Matsima oder auch der vom VfB Stuttgart umworbene Alexis Claude-Maurice gehalten werden konnten. Allesamt wichtige Stützen für Sandro Wagner, der sich zudem über die Ankunft von einigen Neuzugängen freuen durfte.
Während Youngster Oliver Sorg wohl vorerst für die U23 eingeplant und Kyliane Dong umgehend zurück in die Ligue 2 verliehen worden ist, wurden mit Elias Saad, Robin Fellhauer, Han-Noah Massengo, Anton Kade sowie den beiden Deadline-Day-Verpflichtungen Fabian Rieder und Ismael Gharbi sechs Akteure unter Vertrag genommen, die trotz ihres groben Durchschnittsalters von 23,5 Jahren zusammen bereits auf knapp 800 Profi-Einsätze kommen.
Bedenken auf zwei Positionsgruppen
An der nötigen Erfahrung sollte es dem FCA in der laufenden Saison also nicht mangeln. Bleibt nur noch die wohl entscheidende Frage, ob der Kader denn auch richtig zusammengestellt wurde.
Nun, eine vernünftige Antwort darauf wird selbstverständlich erst im Laufe der Zeit bzw. zum Saisonende im Mai nächsten Jahres möglich sein. Und dennoch muss diese Frage aus meiner Perspektive gerade hinsichtlich der beiden Schienenpositionen sowie der Sturmspitze erlaubt sein.
„Die werden sich schon etwas dabei gedacht haben“, wäre wohl die gängige Reaktion in einer solchen Situation. Und tatsächlich weicht diese Aussage gar nicht allzu weit von meiner Auffassung ab.
Setzt Wagner weiterhin auf keine „echte“ Spitze?
Beginnen wir mit dem Sturmzentrum, für das nach derzeitigem Stand drei „echte Neuner“ in Frage kommen: Phillip Tietz, Samuel Essende und Steve Mounié, bei dem ein Abgang auch nach dem deutschen Transferschluss wohl weiterhin nicht ausgeschlossen werden kann.
Wie einige FCA-Fans hätte auch ich mir auf dieser Position einen Neuzugang gewünscht, der seinen Torriecher im besten Fall bereits unmissverständlich unter Beweis gestellt hat. Doch was, wenn Ex-Stürmer Wagner gar nicht zwanghaft auf ein System mit einer „echten“ Spitze zurückgreifen will? Eben so, wie er es in Freiburg und gegen München bereits getan hat – und wie er es fortan mithilfe von variabel einsetzbaren Neuzugängen wie Rieder und Gharbi sowie dem bislang verletzten Claude-Maurice nochmals intensivieren könnte.
Dünne Besetzung auf den Schienen
Während ich das Handeln der Verantwortlichen mit Blick auf das Angriffszentrum also durchaus nachvollziehen kann, bereitet mir die Besetzung der Schienenposition doch ein wenig Bauchschmerzen. Klar, Mittelfeldmotor Fellhauer kann grundsätzlich auch auf beiden defensiven Außenbahnen eingesetzt werden, die Optimallösung ist das gewiss aber nicht. Deutlich wird dies insbesondere dann, wenn Linksverteidiger Dimitrios Giannoulis und Rechtsverteidiger Marius Wolf gleichzeitig verletzt ausfallen – wie etwa im Laufe der Partie gegen den FC Bayern.
Zumindest etwas beruhigend wirken derweil auch in dieser Thematik die Eindrücke, die bisher von Trainer Wagner und seiner taktischen Herangehensweise gewonnen werden konnte. Aufgrund der teils asymmetrischen Positionierung, im Zuge derer etwa Matsima häufig als defensiver Rechtsverteidiger und Wolf als offensiver Flügelspieler agiert – eine Rolle, die wohl auch Neuzugang Kade ausfüllen kann -, könnte die vermeintlich dünne Besetzung im Kollektiv und durch Wagners Ideenreichtum kompensiert werden.
Insgesamt machen die Verpflichtungen aus meiner Sicht also definitiv Lust auf mehr. Und nicht vergessen: Die werden sich schon etwas dabei gedacht haben.

