Der FC Augsburg hat erneut auf dem Transfermarkt zugeschlagen und einen alten Bekannten verpflichtet: Mergim Berisha kehrt zurück in die Fuggerstadt. Doch ist das wirklich eine gute Idee?
„Ich bin dem FC Augsburg dankbar, dass der Verein meinem Wechselwunsch entsprochen hat und ich somit in meiner Karriere den nächsten Schritt machen kann“, ließ sich Berisha noch am 30. August 2023 zitieren, als sein Wechsel zur TSG Hoffenheim offiziell verkündet wurde. Der „nächste Schritt“? In der Nachbetrachtung wohl eher ein Rückschritt.
Klar, finanziell – das steht wohl außer Frage – dürften sich die bisherigen rund anderthalb Jahre in Sinsheim definitiv ausgezahlt haben. Sportlich aber, das steht ebenso nicht zur Debatte, blickt der 26-Jährige auf eine äußerst unzufriedenstellende Karrierephase zurück.
Neun Toren und vier Assists bei 26 FCA-Einsätzen stehen lediglich ein Tor sowie ein Assist bei zwei Spielen weniger im TSG-Trikot gegenüber. Der erhoffte „nächste Schritt“ konnte nicht gemacht werden – auch aufgrund einer über achtmonatigen Kreuzbandriss-Pause.
Ein halbes Jahr auf Bewährung
Nun ist Berisha, der in Augsburg zwischenzeitlich sogar zum deutschen Nationalspieler avancierte, also zurück in der Fuggerstadt. Ein Transfer, der innerhalb der Fangemeinschaft große Wellen schlägt – so groß wie selten beim FCA.
Den Ruf eines pflegeleichten Profis hat sich der Mittelstürmer während seiner Laufbahn wahrlich nicht erarbeitet. Auch im Kraichgau, wo ihn Cheftrainer Pellegrino Matarazzo sogar vorübergehend suspendiert hatte, änderte sich daran nichts. Im vertrauten Umfeld bietet sich Berisha fortan die Chance, wieder Fuß in der Bundesliga zu fassen. Doch wie steht es um die Chancen aus Sicht des FCA?
Aus finanzieller Sicht ist das Risiko jedenfalls gering. Die TSG hat den aussortierten Stürmer für ein halbes Jahr nach Augsburg verliehen – inklusive einer in den Medien kolportierten Kaufoption in Höhe von sieben bis acht Millionen Euro. Angesichts der aktuellen Situation Berishas eine durchaus hohe Summe. Angesichts der Tatsache, dass er noch vor anderthalb Jahren für 14 Millionen Euro nach Sinsheim gewechselt ist, wiederum eine akzeptable Summe.
Was bietet der Rückkehrer dem FCA?
Nun aber der Blick auf das, was im Fußball wirklich zählt: Die Leistung auf dem Platz. Als Vergleichgsgrößen zu Berishas letzter und einziger FCA-Saison (2022/23) ziehen wir die bisherige Spielzeit von Samuel Essende und Phillip Tietz heran, die im Moment um die alleinige Sturmspitze konkurrieren. Kleiner Spoiler vorweg: In nahezu allen aussagekräftigen Statistiken für Offensivspieler – aus Gründen der Vergleichbarkeit auf durchschnittlich 90 Minuten gerechnet – hat der Rückkehrer die Nase vorn.
Seien es die Tore (0,53 vs. 0,45 vs. 0,42), die Assists (0,21 vs. 0,18 vs. 0,08) oder entsprechend die durchschnittlichen Scorerpunkte pro 90 Minuten (0,74 vs. 0,63 vs. 0,50) – Berisha behält im direkten Duell die Oberhand. In puncto „Schuss-erzeugende Aktionen“ (engl.: Shot-Creating Actions) sprechen die Statistiken im Schnitt derweil für Tietz (1,82 vs. 2,51), während Essende pro Partie auf 1,54 Aktionen kommt, die letztlich zu einem Abschluss führen.
Anmerkung: Als Quelle dient jeweils das Datenportal „FBref“.
Selbstverständlich gilt es bei derartigen Vergleichen immer, auch subjektive und situative Gegebenheiten wie die Qualität der Mitspieler oder die Spielweise zu berücksichtigen. Je nach Vorstellung und Herangehensweise des Trainers kann entsprechend auch das Aufgabenprofil eines Mittelstürmers variieren.
Berisha-Transfer wirft viele Fragen auf
Doch kann Berisha den FCA, der im derzeitigen Kader in Essende, Tietz und Steve Mounié über drei weitere echte Neuner verfügt, aus spielerischer Sicht verbessern? Ist der 26-Jährige nach seiner langen Verletzungspause noch der Alte? Wird er nach seinem viel diskutierten Abgang aus Augsburg charakterlich zu überzeugen wissen – auch ohne Kumpel Ermedin Demirovic?
Alles Fragen, die zumindest zum aktuellen Zeitpunkt offen sind und die Berisha in den kommenden Monaten beantworten wird – in welcher Form auch immer. So wird sich schließlich auch zeigen, ob die vermeintliche Chance aus FCA-Perspektive das Risiko wirklich wert war.

